Montag, 18. März 2019

Brief 4

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

ein Kreuzfahrtschiff stößt an einem Tag ungefähr so viel CO2 aus, wie 83 678 Autos.
Das klingt heftig, aber ich kann mir bei weitem diese 83 678 Autos und deren Ausstoß an Co2 nicht vorstellen.
Was ich mir aber sehr gut vorstellen kann, weil ich sie jeden Tag sehe, sind die vier Autos meiner Nachbarn.
Aber habe ich das Recht, meine Nachbarn auf ihre Autos anzusprechen, und sie mit den Folgen ihres Co2-Fussabdrucks zu konfrontieren?  Denn ich habe keine perfekte Klima-Bilanz und entscheide mich, öfter als ich gerne zugebe, für den bequemen Weg.

Auch in Bezug auf die Fridays for Future-Demos wird oft über dieses Thema diskutiert:
Braucht man die perfekte Klima-Bilanz, um für den Klimaschutz protestieren zu dürfen?
Oder darf man das erst, wenn man Autofahren und Fliegen komplett aufgegeben hat? Wenn man jeden Tag 10 Bäume pflanzt und Solarplatten auf dem Dach hat?
Ich denke nicht. Ich meine, dass das Demonstrieren für den Klimaschutz, sofern man nicht mit dem Privatflugzeug zur Demo geflogen ist, ein guter erster Schritt ist. Denn man bekommt während der Demo sachliche und wichtige Informationen zum Klimawandel von Klimaaktivisten*innen und Wissenschaftler*innen vermittelt. Und es ist ein großartiges Gefühl, mit hunderten anderen „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsre Zukunft klaut!“ zu rufen. Man weiß, man ist nicht alleine mit dem Wunsch, den Klimawandel zu stoppen. Von den minikleinen Kindergartenkindern, über die vielen Schüler*innen, die Eltern und Großeltern: Sie alle sind da, weil sie für unsere Zukunft auf diesem Planeten kämpfen. Endlich bewegt sich etwas.

Aber wir brauchen mehr Vorbilder.
Und an diesem Punkt dürfen Sie, und andere Politiker*innen, positiv in den Vordergrund treten.
Konkret geht es heute mir um die Dienstwagen. Es ist zum Beispiel so, dass der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens Herr Laschet, einen Audi A8 fährt, welcher in den ADAC-Tests einen CO2 Ausstoß von 196 g/km hat, die Deutsche Umwelthilfe hat sogar 376 g /km gemessen. Um das ganze in Perspektive zu rücken: Der Grenzwert des CO2- Ausstoßes in der EU liegt eigentlich bei 130 g/km. Auch wurden kaum Elektroautos angeschafft, wie eigentlich von der Regierung angekündigt wurde.

Ich möchte an dieser Stelle ganz stark an Sie appellieren: Fahren Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad! Und wenn Ihnen die Öffis nicht zuverlässig oder umweltfreundlich genug sind, dann investieren Sie zum Beispiel die 15 Milliarden Euro Steuerüberschuss, die zwischen 2018-2021 zur Verfügung stehen, in neue Straßenbahnen.
Denn wenn man sich ganz einfach mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln bewegen kann, bleibt auch in Stresssituationen das Auto stehen.
Sollte der Klimawandel weiter fortschreiten und die Konsequenzen sich drastisch verschlimmern, wird dies jeden Bereich unseres Lebens beeinflussen.

Deshalb möchte ich Sie eindringlich bitten, als Bundeskanzlerin und auch als Privatperson ein Vorbild für uns in puncto Klimaschutz zu werden. Welches persönliche Klimaziel wollen Sie sich 2019 setzen? Ich würde mich sehr über eine Antwort von Ihnen freuen!

Mit hoffnungsvollen Grüßen,
Elisabeth Taschinski



Quellen: